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Jagdgebrauchshunde

Kein anderes Tier, wie der Hund, weist eine solche Artenvielfalt auf. Bis zu 400 verschiedene Arten (ohne Einbezug der Kreuzzüchtungen) in jeglicher Ausprägung stehen zur Verfügung. Allen gemeinsam ist, dass der Haushund zur selben Familien gehört (Canis familiaris). Diese Familien ist nachweislich (DNA-Analysen) ein Nachfahre des Wolfes (Canis lupus).

Aber was machte den Wolf so erfolgreich? Erstens, die Fähigkeit sich an die verschiedenen Umgebungen und Umfeldbedingungen anzupassen und zweitens, sozial zusammen zu arbeiten. Heutzutage gibt es ungefähr 400 Millionen Hunde, aber nur  etwas 40.000 Wölfe[1].

Angeblich, so jüngste Forschungsergebnisse, soll der Mensch den Wolf bereits vor 35.000 Jahres domestiziert haben. Geschichtliche Erwähnungen, wie aus Schriften aus dem Assyrien oder Aufzeichnungen aus dem „alten“ Ägypten, wo der Hund (Anubis) „heilig“ war.

Bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. kristallisierten sich die typischen Merkmale heraus. In der Folge entwickelten sich die Hauptgruppen der Spezialrassen - die Packer, die Lauf- und die Hetzhunde, die Such-, Vorsteh-, Bau- und die Vogelhunde - heraus[2].

Überlieferungen erwähnen die Kampfhunde, die von Kelten, Germanen und Römer für Kriegszwecke verwendet wurden. Noch im Mittelalter wurden solche Hunde eingesetzt, um die feindlichen Ritter bzw. deren Pferde zu beißen und so den Ritter zu Fall zu bringen.

Jüngere literarische Werke zeigen bereits, die wichtige Rolle des Hundes als Weggefährten und „Erfüllungsgehilfen“. Die „Kynergetiko“ bzw. die Kyropädie (Erziehung des junges Kyros), verfasst von Xenophon (geb. 426 v Chr.), einem Schüler von Sokrates, beschreibt im Kapitel III, u.a. in zwei längeren Abschnitten über die Jagdhunde und die Jagdausrüstung[3]: So wird die Hasenjagd mit speziellen Hunden, sowie die Erziehung, die Fährenarbeit und die verschieden Arten, wie der Hund Laut gibt, berichtet.

Bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts war die Jagd bekanntlich noch Privileg des Adels. Dieser verpflichtete die Pächter, Klöster oder Lehensleute, die Jagdhunde zu züchten, auszubilden, für die Jagd bereit zu stellen und auch zu führen. Um das Wild nicht zu beunruhigen, wurde es für den einfachen Bauern und Leibeigenen unter Strafe gestellt, eigene Hunde zu halten.

Die „Packer“ wurden zur Jagd auf Bären, Wölfe, Keiler und Hirsche an den Fürstenhöfen gehalten. Die Prächtigsten durften neben dem Bett des Herrschers schlafen und hatten als Kennzeichnung eine goldene Halsung. Die Leibhunde, sie trugen ein silbernes Halsband, wachten vor der Schlafzimmertüre des Fürsten. Alle anderen Hunde trugen ein Lederhalsband.

Zu den ältestes Rassen gehören die Bracken, die sich durch eine feine Nase, Spurwillen- und Laut auszeichnet. Sie soll, so auf der gesunden Fährte angesetzt, dem Jäger das Wild zutreiben oder das kranke Wild suchen und finden. Hauptvertreter: die Deutsche Bracke, die Brandlbracke, die Alpenländische Dachsbracke, die Steirische Rauhhaarbracke und die Tiroler Bracke.

Die Schweißhunde stellen Nachkommender der Bracken dar. Als universell geeignet, wird der Vorstehhund bei Feld-, Wald- und Wasserarbeit eingesetzt. Für ein Qualitätsmerkmal wird auch eine gesunde Raubwildschärfe gehalten. Bei den schweren Prüfungen zeigt sich dann der Zuchtwert eines Hundes. Zu den bekannten Rassen gehören: der Deutsch Kurzhaar, der Deutsch Drahthaar, der Deutsch Langhaar,der Pudelpointer, der Griffon, der Kurzhaar- und der Langhaar – Weimaraner, der große und der kleine Münsterländer, der ungarische Wiszla, in England der Pointer und in Frankreich der Epagneul Français.

Das Ursprungsland der Retriever war zwar Nordamerkia, aber fast alle kommen aus England. Hervorragende Merkmale sind u.a.: die Wasserarbeit, die Apportierfreudigkeit und die Eignung als liebenswerter Begleit- und Familienhund. Hier sind die schwarzen, die gelben und die braunen Labradore, sowie die Golden und der Flatcoated Retriever bzw. der amerikanische Chesapeake-Bay-Retriever die wichtigsten Vertreter.

Die Bau- Erdhunde, welche sich u.a. durch Mut und Schärfe auszeichnen, werden speziell in Österreich durch den Dackel (Kurzhaar, Rauhhaar und Langhaar), den Terrier (Foxterrier, Jagdterrier, Jack Russel Terrier und Parson Russel Terrier) repräsentiert.

Spezielle Rassen, die auch für ganz bestimmte Aufgaben gezüchtet werden, wie etwa der Norwegische Elchhund, komplettieren die Artenvielfalt der Jagdgebrauchshunde.

Wer das Glück hat einen vierbeinigen Jagdgefährten als Kameraden zu haben, schätzt nicht nur dessen Eigenschaften, sondern auch einfach nur dessen Gesellschaft. Was gibt es Schöneres, als Erlebnisse teilen zu können?

Zum Schluss noch ein Zitat von Xenophon: „ Erfindungen von Göttern sind Jagd und Hunde!“

Waidmannsheil,

Ihr

Gerhard Amler

Literatur:

[1] www. purina.de
[2] www.jagd-bayern.de/geschichte-gegenwart-jagdhunde.html
[3] Die Jagd im antiken Griechenland, Gerd Sachs, Hamburg 2012,